Blindflug

Ist Ihre Organisation im Blindflug?

Biases erkennen und Instrumente nutzen statt im Blindflug zu navigieren.

Biases erkennen und dann bewusst gegensteuern.

Das ist leichter gesagt als getan.

Zumal Intuition und schnelle Entscheidungen genauso wie Beständigkeit bis zum Festhalten am Vertrauten im Alltag nützlich sein kann:

  • Ich bleibe bei meiner Partnerin und überdenke unsere Beziehung nicht jeden Tag neu nach Kosten-Nutzen Aspekten.
  • Ich esse nicht jeden Tag etwas völlig anderes oder neues.
  • Ich spucke etwas schnell aus, wenn es sich ganz „komisch“ im Mund anfühlt. Dieses „komisch“ kann ich vielleicht noch nicht einmal verbalisieren. Das letzte Mal war das eine Wespe, die sich im Schaum eines Weizenbieres auf der Terasse des Schweizer Hof auf der Budapester Straße in Berlin versteckt hatte. Alle am Tisch hatten Verständnis dafür, dass ich das „Gefühl“ nicht erst exploriert und überdacht habe.
  • Ich freue mich auf Weihnachten ohne zu überlegen, ob das dieses Jahr wirklich gerechtfertigt ist.
  • Ich spare mir die Energie, mir über meine Kleidung jeden Morgen vor der Arbeit Gedanken zu machen und greife nach dem gewohnten. Wie Barak Obama. https://www.theguardian.com/world/shortcuts/2012/sep/17/barack-obama-secret-weapon-routine
  • Die Liste ließe sich immer weiter fortsetzen … 

Bei der Personalauswahl können dauerhafte und wiederholte Fehlentscheidungen durch diskriminierende Biases großen Schaden anrichten. Schaden an Menschen, die unter Diskriminierung leiden und ausgegrenzt oder benachteiligt werden und auch sogar an den diskriminierenden Organisationen selbst.

Die beste Lösung aus eignungsdiagnostischer Sicht sind aber nicht allein Trainings. Auf Biases aufmerksam zu machen, ist eine gute Sache, aber die Wirkung auf die Entscheidung allein auf Trainings zu stützen wäre sehr gewagt.

Denn intuitive Fehlurteile durch Biasis sind menschlich und auch natürlich. Dagegen anzukämpfen kann im besten Fall anstrengend sein, schlimmstenfalls ist es einfach zum Scheitern verurteilte vergebliche Mühe.

Erfolgversprechender ist es, unterschiedliche Datenquellen für eine sachliche Entscheidung zu nutzen um Biases zu erkennen und Instrumente dazu nutzen sie zu korrigieren statt im Blindflug zu navigieren.

Daher ist unsere Empfehlung: die richtigen, geeichten Instrumente nutzen. Die gibt es.

   

178 Sekunden zu leben

Das Beispiel vom Piloten, der durch die auf ihn wirkenden Kräfte beim Blindflug komplett die Orientierung verliert und nicht mehr unterscheiden kann, wo oben und unten ist, erscheint mir ein gutes Bild. Instrumentenflug ist auch bei der Personalauswahl nützlich und wirkungsvoll.

Eine Begegnung bei einem Auftraggeber der öffentlichen Verwaltung hatte mir darüber noch einmal die Augen geöffnet.

Ein Bewerber erwähnte eine Quelle, die ich mir danach angeschaut habe: „178 Sekunden zu leben“. Ein Video, das Piloten daran erinnert, was ohne Instrumentenkompetenz passieren kann.

Forscher an der Universität von Illinois haben die Zeit gemessen, wie lange Pilot:innen, die kein Instrumententraining haben, im Durchschnitt überleben, nachdem sie in schlechtes Wetter geflogen sind und die Sicht verloren haben. 

Zwanzig Teilnehmer flogen in einem Simulator in Wetterbedingungen, die nur noch Instrumentenflug zulassen. Alle kamen dabei ums Leben. Die Ergebnisse unterschieden sich nur in einem Punkt: der Zeit, die es dauerte, vollständig die Kontrolle über das Flugzeug zu verlieren. Die Spanne reichte von 480 Sekunden bis 20 Sekunden. Die durchschnittliche Zeit betrug 178 Sekunden.

Das Video dazu hat mich schockiert. Hier ist ein Link, in dem eine Fluglehrerin in ihrem Blog ein persönliches Erlebnis damit noch einmal verarbeitet:

https://blog.globalair.com/post/2014/06/15/178-Seconds-to-Live-A-Personal-Account-of-Spatial-Disorientation

Sie beschreibt darin, wie schwer es ihr als erfahrener Pilotin gefallen war, ihre Wahrnehmungsverzerrung zu korrigieren.  

Das Video wird aber insbesondere von der australischen und der US amerikanischen Flugaufsichtsbehörde als Warnung verbreitet.

Personalauswahl im Blindflug ohne Instrumente? 

Ich möchte jetzt hier nicht noch einmal alle möglichen Wahrnehmungsverzerrer und kognitiven Fehlleistungen durchgehen. Dazu gibt es einiges in unserem Podcast.

Damit wir erkennen, wie wichtig es ist nicht nur Biases zu erkennen, sondern auch Instrumente zu nutzen statt im Blindflug zu navigieren, möchte ich an dieser Stelle nur ein paar Quellen teilen, die mich besonders beeindruckt haben:

  • Wie schnell Entscheidungen entstehen,
  • wie Entscheidungen von Richter:innen, absoluten Profi-Entscheider:innen aus völlig sachfremden Gründen variieren,
  • und wie Mitarbeitende auf weibliche Führungskräfte reagieren. 

Hier sind einige Quellen:

    Nur Sekunden bis die Entscheidung für oder gegen jemand gefallen ist

    Richter, die vor der Mittagspause höhere Strafen verhängen als nach der Mittagspause

    Das identische Verhalten bei weiblichen und männlichen Vorgesetzten und Männern hat unterschliche Wirkung auf Mitarbeitende

    und

    http://ftp.iza.org/dp12611.pdf

    Das sollte uns zu denken geben und uns nach Instrumenten greifen lassen, damit wir nicht blind navigieren. Beim Gegensteuern helfen:

    Die DIN 33430 zur Eignungsdiagnostik ist erhältlich beim Beuth-Verlag

    Die Fortbildung zu Eignungsdiagnostik in der Personalauswahl bei der DIN Akademie mit Zertifizierung.

    Weitere Vertiefungen und Themen rund um Personalentscheidungen und die dazu gehörenden Eignungsbeurteilungen finden Sie laufend auf eignungsdiagnostik.info :

    Gut Gewählt ist halb geführt!

    Wie Sie Intuition bei der Personalauswahl richtig einsetzen

    Auswahlmethoden: Was funktioniert wirklich? 

    Nutzen Sie als Führungskraft wirklich die richtigen Kriterien zur Vorhersage von Leistung?

    Wollen Sie Diversity fördern? Nutzen Sie die Unterschiede: https://eignungsdiagnostik.info/diversity-was-macht-den-unterschied

    Oder ganz praktisch: Den abcÎ, das Instrument für Ihre besten Personalentscheidungen finden Sie hier.

    Dazu speziell Lösungen zum Thema Diversity

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